Was das Rechtsgebiet umfasst, wann Sie einen Spezialisten brauchen – und woran Sie einen guten Fachanwalt erkennen.
Das Arbeitsrecht regelt eine der grundlegendsten Beziehungen des Alltags: die zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Es ist das größte Fachanwaltsgebiet in Deutschland – und gleichzeitig eines der komplexesten, denn seine Regelungen verteilen sich auf über 100 verschiedene Gesetze.
Ob Kündigung, Abmahnung, Gehaltsstreit oder Aufhebungsvertrag – arbeitsrechtliche Konflikte treffen Menschen oft in existenziell belastenden Situationen. Gleichzeitig gelten im Arbeitsrecht besonders kurze Fristen, die schnelles Handeln erfordern. Wer zu spät reagiert, verliert möglicherweise Rechte, die er gar nicht mehr zurückgewinnen kann.
Mit 11.314 zugelassenen Fachanwältinnen und Fachanwälten (Stand: BRAK, 01.01.2025) ist das Arbeitsrecht die mit Abstand größte Fachanwaltschaft in Deutschland. Kein anderer Titel ist so verbreitet – und das aus gutem Grund: Die Nachfrage nach spezialisierten Arbeitsrechtlern ist konstant hoch.
Das Arbeitsrecht gliedert sich in zwei große Bereiche, die sich ergänzen und in der anwaltlichen Praxis oft zusammenspielen.
Regelt die Rechtsbeziehung zwischen einzelnem Arbeitgeber und einzelnem Arbeitnehmer.
Regelt die Beziehungen zwischen Gruppen: Betrieben, Betriebsräten und Gewerkschaften.
Das Arbeitsrecht berührt regelmäßig weitere Bereiche, in denen ein erfahrener Fachanwalt ebenfalls Orientierung bieten sollte:
Neue Themen im Arbeitsrecht 2024/2025
Das Arbeitsrecht entwickelt sich stetig weiter. Besonders aktuell: der rechtliche Rahmen für Homeoffice und mobile Arbeit, KI-Einsatz im Betrieb und die damit verbundene Mitbestimmung des Betriebsrats, Anforderungen aus dem Hinweisgeberschutzgesetz (Whistleblowing) sowie die zunehmende Bedeutung von Compliance-Regelungen in Unternehmen. Ein Fachanwalt der auf dem aktuellen Stand der Rechtsprechung ist, kann gerade hier entscheidende Vorteile bieten.
Arbeitsrechtliche Probleme entstehen auf beiden Seiten des Arbeitsverhältnisses – und auch für Betriebsräte gibt es klare Situationen, in denen anwaltlicher Beistand unverzichtbar ist.
Wichtig: Selbst wenn Sie glauben, Ihr Fall sei eindeutig oder gering, lohnt eine anwaltliche Ersteinschätzung fast immer. Viele Fachanwälte bieten diese kostenlos oder zu einem gesetzlich geregelten Pauschalpreis an – und oft zeigt sich dabei, dass die eigene Rechtsposition deutlich stärker ist als gedacht.
Der Fachanwalt für Arbeitsrecht ist weit mehr als ein Klagevertreter. Er begleitet Mandanten in jeder Phase des Arbeitsverhältnisses – von der Vertragsgestaltung bis zum Austritt.
Der Fachanwalt analysiert die Ausgangssituation, prüft Fristen und erarbeitet eine realistische Einschätzung der Erfolgsaussichten – bevor Kosten entstehen.
Er prüft Vertragsklauseln auf Unwirksamkeit, erkennt benachteiligende Regelungen und hilft bei der rechtssicheren Formulierung – ob für Arbeitgeber oder Arbeitnehmer.
In vielen Fällen ist eine einvernehmliche Lösung möglich und sinnvoll: Abfindungsverhandlungen, Aufhebungsverträge oder die Einigung auf ein wohlwollendes Zeugnis – ohne Gericht, aber mit rechtlichem Rückhalt.
Bei Kündigungsschutzklagen, Lohnklagen oder Zeugnisstreitigkeiten übernimmt der Fachanwalt die vollständige Prozessvertretung – von der Klageschrift bis zur Güteverhandlung und Kammerverhandlung. Rund 75 % aller Kündigungsschutzklagen enden mit einem Vergleich.
Im kollektiven Arbeitsrecht vertritt der Fachanwalt Betriebsräte oder Arbeitgeber in Beschlussverfahren, bei Einigungsstellenverfahren und bei der Aushandlung von Betriebsvereinbarungen und Sozialplänen.
Bei Unternehmensumstrukturierungen, Fusionen oder Betriebsübergängen nach § 613a BGB stellt der Fachanwalt sicher, dass alle arbeitsrechtlichen Anforderungen eingehalten werden – für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer.
Wenn erstinstanzliche Entscheidungen unbefriedigend sind, vertritt der Fachanwalt seine Mandanten auch vor dem Landesarbeitsgericht (LAG) und – in grundsätzlichen Fragen – vor dem Bundesarbeitsgericht (BAG).
Nicht jeder Fachanwalt ist gleich gut aufgestellt. Diese Checkliste hilft Ihnen, das Angebot einer Kanzlei zu bewerten – bevor Sie sich binden.
Hinweis zu den Kosten
Im arbeitsgerichtlichen Verfahren erster Instanz trägt jede Partei ihre Anwaltskosten selbst – unabhängig vom Ausgang. Die Gerichtskosten hingegen übernimmt die unterlegene Partei. Endet das Verfahren mit einem Vergleich, entfallen in der Regel die Gerichtskosten. Eine Rechtsschutzversicherung kann die finanzielle Belastung erheblich reduzieren.
Das Arbeitsrecht kennt einige der härtesten Ausschlussfristen im deutschen Recht. Wer sie verpasst, verliert Ansprüche unwiederbringlich – auch wenn er inhaltlich im Recht wäre.
Unsere Empfehlung: Warten Sie nicht ab. Sobald Sie eine Kündigung, Abmahnung oder einen Aufhebungsvertrag erhalten, sollten Sie innerhalb von 24 bis 48 Stunden anwaltlichen Rat einholen – nicht erst kurz vor Fristablauf.
Der Titel „Fachanwalt für Arbeitsrecht" ist seit 1989 in Deutschland anerkannt und darf nur geführt werden, wer strenge Voraussetzungen nach der Fachanwaltsordnung (FAO) erfüllt hat.
Dreijährige Zulassung und Tätigkeit als Rechtsanwalt innerhalb der letzten 6 Jahre vor Antragstellung (§ 3 FAO).
Absolvierung eines spezialisierten Fachanwaltslehrgangs mit mindestens 120 Unterrichtsstunden und Bestehen schriftlicher Klausuren.
Nachweis von mindestens 100 selbstständig bearbeiteten arbeitsrechtlichen Fällen, davon mindestens 50 gerichtliche oder rechtsförmliche Verfahren.
Mindestens 15 Fortbildungsstunden pro Jahr im Fachgebiet müssen nachgewiesen und unaufgefordert bei der Rechtsanwaltskammer eingereicht werden (§ 15 FAO).
Der Titel wird nach § 43c BRAO durch die zuständige Rechtsanwaltskammer verliehen – nach Prüfung aller Voraussetzungen durch einen Fachausschuss.
Ein Rechtsanwalt darf in Deutschland höchstens drei Fachanwaltstitel tragen – das schützt den Wert des Qualitätssiegels.
Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Rechtsberatung. Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Aktualität. Rechtliche Fristen und Voraussetzungen können sich ändern. Bitte konsultieren Sie für Ihre konkrete Situation stets einen qualifizierten Fachanwalt für Arbeitsrecht.